Kabinett Morawiecki

Das Kabinett Morawiecki bildet infolge des Amtsrücktritts von Beata Szydło seit dem 11. Dezember 2017 unter der Leitung von Mateusz Morawiecki die Regierung der Republik Polen.

Die rechten Parteien Prawo i Sprawiedliwość, Solidarna Polska und Polska Razem sind zusammen angetreten, wobei alle Kandidaturen unter der Wahlliste der PiS erfolgten. Diese Übereinkunft zum gemeinsamen Auftreten bei der Parlamentswahl trafen die jeweiligen Parteivorsitzenden Jarosław Kaczyński, Zbigniew Ziobro sowie Jarosław Gowin bereits im Sommer 2014.[1] Die PiS-Vereinigung erreichte die absolute Mehrheit im Sejm (Unterhaus) sowie im Senat (Oberhaus), folglich war keine Koalition mit einer anderen wahlwerbenden Partei notwendig. Im November 2017 gründete Gowin die um andere konservativ-liberale Kreise erweiterte Partei Porozumienie, die seitdem die Vorgängerpartei Polska Razem innerhalb des Regierungslagers ersetzt.

Die 235 von 460 erreichten Mandate im Sejm sind den drei Wahlsiegern1 wie folgt zuzuordnen:

ParteiAusrichtungAbgeordneteKabinettsmitgliederParteichef
Prawo i Sprawiedliwość (PiS)
Recht und Gerechtigkeit
konservativ,
nationalkonservativ
217/235
17Jarosław Kaczyński
Porozumienie (P)
Verständigung
konservativ,
wirtschaftsliberal
8/235
2Jarosław Gowin
Solidarna Polska (SP)
Solidarisches Polen
nationalkonservativ,
EU-skeptisch
9/235
2Zbigniew Ziobro

Erläuterung:1 Ein weiterer Sitz entfällt auf die Prawica Rzeczypospolitej von Marek Jurek, dessen Abgeordneter jedoch parteilos geblieben ist.

Anfangs ist das Kabinett, mit Ausnahme des neuen Ministerpräsidenten und der Degradierung Szydłos zur Vize-Ministerpräsidentin ohne Geschäftsbereich, unverändert geblieben. Am 9. Januar 2018 kam es zu einer größeren Umbildung im Ministerrat.[2][3][4] Die Personaländerungen wurden als Signal Polens gewertet, einen eher mäßigenden Kurs mit der EU einzuschlagen.[5]

PositionMinisterium/AmtNameParteiAmtsantrittAmtsabtritt
MinisterpräsidentMateusz MorawieckiPiS9. Jan. 2018
Wirtschaftliche Entwicklung11. Dez. 20179. Jan. 2018
Finanzen
Vize-MinisterpräsidentKultur und nationales ErbePiotr GlińskiPiS11. Dez. 2017
Vize-MinisterpräsidentWissenschaft und HochschulbildungJarosław GowinP11. Dez. 2017
Vize-Ministerpräsidentin (ohne Geschäftsbereich)Beata SzydłoPiS11. Dez. 2017
MinisterUnternehmertum und TechnologieJadwiga EmilewiczP9. Jan. 2018
MinisterFinanzenTeresa Czerwińskaparteilos9. Jan. 2018
MinisterInvestitionen und EntwicklungJerzy KwiecińskiPiS9. Jan. 2018
MinisterVerteidigungAntoni MacierewiczPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
Mariusz Błaszczak9. Jan. 2018
MinisterÄußeresWitold WaszczykowskiPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
Jacek Czaputowiczparteilos9. Jan. 2018
MinisterInneres und VerwaltungMariusz BłaszczakPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
Joachim Brudziński9. Jan. 2018
MinisterJustizZbigniew ZiobroSP11. Dez. 2017
Generalstaatsanwalt4. März 2016
MinisterMeereswirtschaft und BinnenschifffahrtMarek GróbarczykPiS11. Dez. 2017
MinisterLeiter des ständigen Ausschusses des MinisterratesHenryk KowalczykPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
Umwelt9. Jan. 2018
MinisterUmweltJan SzyszkoPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
MinisterinDigitalisierungAnna Streżyńskaparteilos11. Dez. 20179. Jan. 2018
Marek ZagórskiPiS17. Apr. 2018
MinisterEnergieKrzysztof TchórzewskiPiS11. Dez. 2017
Minister/in (ohne Geschäftsbereich)Elżbieta WitekPiS11. Dez. 201718. Dez. 2017
MinisterinNationale BildungAnna ZalewskaPiS11. Dez. 2017
MinisterInfrastruktur und BauAndrzej AdamczykPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
Infrastruktur9. Jan. 2018
MinisterinFamilie, Arbeit und SozialesElżbieta RafalskaPiS11. Dez. 2017
MinisterLandwirtschaft und ländliche EntwicklungKrzysztof JurgielPiS11. Dez. 2017
Minister (ohne Geschäftsbereich)Koordinator der GeheimdiensteMariusz KamińskiPiS11. Dez. 2017
Ministerin (ohne Geschäftsbereich)Beata KempaSP11. Dez. 2017
MinisterSport und TourismusWitold BańkaPiS11. Dez. 2017
MinisterGesundheitswesenKonstanty RadziwiłłPiS11. Dez. 20179. Jan. 2018
Łukasz Szumowskiparteilos9. Jan. 2018

Florian Kellermann schrieb im Deutschlandfunk, dass Morawiecki aufgrund seiner internationalen Kontakte das Image der Regierung aufbessern solle. Der ehemalige Nationalbank-Präsident Marek Belka schrieb 2017, trotz neu eingeführter Sozialleistungen sei das Haushaltsdefizit relativ niedrig.[6] Monika Sieradzka prognostizierte, der „Technokrat Morawiecki [werde] die soziale Kompetenz seiner Vorgängerin, die mit ihrer mütterlichen Ausstrahlung vor allem bei sozial schwächeren PiS-Wählern punkten konnte, wohl nicht erreichen.“[7] Spiegel-Redakteur Jan Puhl schrieb, er erwarte trotz der kosmopolitischen Ausstrahlung des Bankers keine Kursänderung bei den umstrittenen Justizreformen der Regierung.[8]

  1. Jarosław Kaczyński podpisał porozumienie ze Zbigniewem Ziobro i Jarosławem Gowinem. In: wiadomosci.wp.pl. 19. Juli 2014, abgerufen am 3. Juni 2015 (polnisch). 
  2. Rekonstrukcja rządu Mateusza Morawieckiego. Zmiany w ministerstwach. In: Rzeczpospolita. 9. Januar 2018, abgerufen am 9. Januar 2018 (polnisch). 
  3. Polen besetzt wichtige Kabinettsposten neu. In: Deutsche Welle. 9. Januar 2018, abgerufen am 9. Januar 2018. 
  4. Polens Regierungschef bildet Kabinett um. In: Die Zeit. 9. Januar 2018, abgerufen am 9. Januar 2018. 
  5. Meret Baumann: Polens neuer Regierungschef entlässt umstrittene Minister. In: nzz.de. 9. Januar 2018, abgerufen am 9. Januar 2018. 
  6. Neuer Ministerpräsident für ein besseres internationales Image. In: Deutschlandfunk. 8. Dezember 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017. 
  7. Premierminister-Wechsel in Polen: Szydlo geht, Morawiecki kommt. In: MDR. 8. Dezember 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017. 
  8. Kaczynskis nächster Vasall. In: SPON. 8. Dezember 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017. 
VorgängerAmtNachfolger
Kabinett SzydłoRegierung der Republik Polen
11. Dezember 2017 – heute
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