Carles Puigdemont i Casamajó

Carles Puigdemont i Casamajó (2016)

Carles Puigdemont i Casamajó ( ['karɫəs pudʒðəˈmon i kazəmə'ʒo]; * 29. Dezember 1962 in Amer) ist ein spanischer Politiker der PDeCAT und seit dem 12. Januar 2016 der 130. Präsident der Generalitat de Catalunya, also Ministerpräsident der Region Katalonien. Vorher war er seit 2011 Bürgermeister von Girona. Er tritt für die Unabhängigkeit Kataloniens ein.[1]

Puigdemont wurde als Sohn einer Konditorenfamilie geboren.[2][3] Er studierte katalanische Philologie an der Universität Girona, ohne das Studium abzuschließen.[4] Während des Studiums arbeitete er für die lokale Presse. Er fing als Lokalkorrespondent bei der Zeitung Los Sitios an und wurde später Chefredakteur von El Punt, wo er 1982 als Korrektor angefangen hatte. Im Laufe des Jahres 1993 bereiste er verschiedene Länder der Europäischen Union, um Reportagen zu verfassen, die im selben Jahr in der Zeitschrift Presència veröffentlicht wurden.

Von 1999 bis 2002 war er erster Direktor der Katalanischen Nachrichtenagentur (Agència Catalana de Notícies) und Generaldirektor von Catalonia Today, einer katalanischen Publikation in englischer Sprache, die unter seiner Initiative entstand.[2] Er ist Autor des Buches Cata…què? Catalunya vista per la premsa internacional (1994) (Kata…was? Katalonien aus Sicht der internationalen Presse) und schrieb weiter über den gleichen Themenbereich in einer Kolumne der Presència.

Er gehörte der Joventut Nacionalista de Catalunya (JNC) an, der Jugendorganisation der Partei Convergència Democràtica de Catalunya (CDC), und war einer der Mitbegründer dieser Organisation in der Provinz Girona. Als Parteimitglied der CiU war er Direktor des Kulturzentrums Casa de Cultura de Girona (2002–2004) und Abgeordneter der CiU im katalanischen Parlament nach den Wahlen der Jahre 2006, 2010 und 2012.

2007 führte er die Wahlliste der CiU für den Stadtrat von Girona an, verlor aber die Wahl und blieb in der Opposition. 2011 wurde er zum Bürgermeister von Girona gewählt und brach damit die Vorherrschaft der sozialdemokratischen Partei Partit dels Socialistes de Catalunya (PSC, regionale Schwesterpartei der PSOE), die 32 Jahre die Stadt regiert hatte.[5]

Im Juli 2015 löste er Josep Maria Vila d’Abadal als Präsident des Associació de Municipis per la Independència (Städteverbund für die Unabhängigkeit) ab. Bei der Parlamentswahl in Katalonien 2015 wurde er als Abgeordneter der lagerübergreifenden Liste Junts pel Sí, die sich für eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien einsetzt, ins Regionalparlament gewählt. Am 10. Januar 2016 Januar wurde er mit Unterstützung der radikallinken CUP mit 70 zu 63 Stimmen bei zwei Enthaltungen zum neuen Präsidenten der Generalitat von Katalonien gewählt[6] und am 11. Januar 2016 vom spanischen König ernannt.[7]

Unter seiner Regierung wurde am 1. Oktober 2017 ein umstrittenes Unabhängigkeitsreferendum für die Loslösung von Spanien abgehalten, obgleich das spanische Verfassungsgericht dieses für illegal erklärt hatte. Nach der Abstimmung meldeten die katalanischen Behörden eine Wahlbeteiligung von 42,3 % sowie eine Zustimmung von rund 90 % der Wähler zu einer Unabhängigkeit. Am 10. Oktober 2017 sagte Puigdemont vor dem katalanischen Regionalparlament, das Referendum gebe ihm ein Mandat, Katalonien für unabhängig zu erklären; er verschiebe dies jedoch um einige Wochen, um mit der spanischen Zentralregierung verhandeln zu können. Danach unterzeichnete er ein als Unabhängigkeitserklärung bezeichnetes Dokument.[8]

Puigdemont spricht neben Katalanisch und Spanisch auch fließend Französisch, Englisch und Rumänisch. Er ist mit einer rumänischen Anglistin verheiratet; die beiden Töchter des Paares wachsen dreisprachig (Katalanisch, Spanisch, Rumänisch) auf.[1]

 Commons: Carles Puigdemont – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

  1. a b Thomas Urban: Carles Puigdemont. Der Unabhängigkeitskämpfer. In: Süddeutsche Zeitung (online). 12. Juni 2017, abgerufen am 20. September 2017. 
  2. a b Carles Puigdemont i Casamajó. In: Gran Enciclopèdia Catalana (katalanisch).
  3. Puigdemont, de la pastisseria dels pares a la plaça Sant Jaume. In: Ara, 9. Januar 2016 (katalanisch).
  4. Carles Puigdemont miente en su currículum: ni filólogo ni periodista. In: Vozpopuli, 15. Januar 2016 (spanisch).
  5. Eleccions municipals: Girona. In: Ara, 22. Mai 2011 (katalanisch).
  6. Katalonien: Carles Puigdemont ist neuer Regierungschef. In: Zeit Online, 10. Januar 2016.
  7. Real Decreto 13/2016, de 11 de enero, por el que se nombra Presidente de la Generalitat de Cataluña a don Carles Puigedmont i Casamajó. In: Boletín Oficial del Estado. 11. Januar 2016 (spanisch).
  8. Katalonien-Konflikt: Und nun? bei tagesschau.de, 11. Oktober 2017 (abgerufen am 11. Oktober 2017).
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